Hoffmann oder Die vielfältige Liebe: Eine Romanze
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Kongeniale Studie zu E.T.A. Hoffmann und dem romantischen Ich
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Wie in anderen Romanen ("Waiblingers Augen", "Hölderlin") legt Peter Härtling auch hier ein überaus sensibles, kluges, kongeniales Portrait eines romantischen Dichters vor. Im Mittelpunkt des Romans stehen E.T.A. Hoffmanns Bamberger Jahre (1808-13), die wiederum vor allem um Hoffmanns Liebe zu seiner Gesangsschülerin Julia Marc kreisen. Was in diesem Zusammenhang mit Liebe gemeint ist, wird zu einem Hauptthema; denn wie kaum ein anderer Künstler hat Hoffmann die Paradoxie der romantischen Liebe in seinem eigenen Leben ausagiert. Die Liebe ist bei ihm ein sich selbst reflektierendes Gefühl, poetisches Produkt des eigenen Ich, eigentlich eine Spielart des die Hoffmannschen Werke durchziehenden Doppelgänger-Motivs; dabei mit den höchsten Ansprüchen und Erwartungen verknüpft, von Anfang an zum Scheitern verurteilt und die Möglichkeit wirklicher menschlicher Nähe von vornherein ausschließend.
Die Liebe zu Julia ist ein zentrales, aber keineswegs das einzige wichtige Thema in Härtlings Roman. Dem sprunghaft-assoziativen Geist seines Protagonisten entsprechend ist es verflochten mit zahlreichen anderen Themen und Motiven. Wichtig sind unter anderem die Entstehung der literarischen Frauenfiguren, in die Julia verwandelt wird (oder aus denen sie verwandelt wird ...); Hoffmanns Freundschaft mit dem Hund Pollux und dessen Verwandlung in den literarischen Hund Berganza; Hoffmanns Verwandlung in den Kappellmeister Kreisler; seine Schwierigkeiten, im provinziellen Bamberg Fuß zu fassen und seine künstlerischen Ideen zu verwirklichen; und nicht zuletzt Hoffmanns Ehe mit Maria Thekla Michalina Rorer-Trzynska, genannt Mischa, die ein der "romantischen Liebe" entgegengesetztes Liebeskonzept verkörpert, die liebt ganz ohne Idealisierung, aufopferungsvoll, langmütig, geduldig bis zum Tod ihres sie oft brutal vernachlässigenden Ehemanns. Nicht zuletzt ihr - der auch der letzte Satz dieses wunderbaren Romans gilt - hat Peter Härtling hier ein kleines Denkmal gesetzt.
Eine Rezension von H., Matthias "mahaus" >
vom 27. Dezember 2009
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