Betrogen und vergessen: Die Geschichte des Kriegskindes Reinhard Bachner
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Betrogen und vergessen!
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Rezension bezieht sich auf: Betrogen und vergessen: Die Geschichte des Kriegskindes Reinhard Bachner (Taschenbuch) Der Autor Richard Bachmann erzählt in seinem Buch „Betrogen und Vergessen" die Geschichte eines Menschen, dessen erste Lebensjahre von all den schlimmen Auswirkungen geprägt sind, die Diktatur und Krieg in aller Regel nach sich ziehen. Schlagworte wie Verfolgung, Vertreibung, Angst und Not kennzeichnen auf den ersten Blick die Kindheit Reinhard Bachners.

Dass Krieg für sehr viele Menschen unendliches Leid bedeutet, ist eine Binsenweisheit; in erster Linie denkt man aber dabei eher an die Soldaten, dann erst an die Zivilbevölkerung, die Kinder werden oft ganz vergessen. Schon alleine deswegen ist das Buch lesenswert. Im hier vorliegenden Fall haben wir es aber mit einer ganz besonderen Situation zu tun.

Reinhards Vater ist ein bekennender Gegner Hitlers, von denen es kurz vor dem Einmarsch der Wehrmacht ins Sudetenland nicht mehr wirklich viele gibt. Er wird schließlich verhaftet und später ins KZ Sachsenhausen gebracht. Obwohl drei seiner Söhne für das Hitlerregime kämpfen (müssen), wird der Rest der Familie, darunter auch Reinhard, im Heimatort von den meisten Einwohnern herablassend behandelt und bisweilen diskriminiert. Nach dem Krieg rächt sich die tschechoslowakische Regierung an allen Deutschen, ob Nazis oder nicht. So müssen auch die Bachners ihre Heimat verlassen und eine Odyssee durch halb Deutschland beginnt. Damit ist die Geschichte des Buches aber noch nicht zu Ende. Auch anhand der folgenden Jahre und Jahrzehnte kann man deutlich erkennen, wie sich solch ein Schicksal auf das gesamte Leben Reinhards auswirkt.

Sollte bis jetzt der Eindruck entstanden sein, der interessierte Leser bekomme bei all dem Leid, das beschrieben wird, beim Durchlesen des Romans Depressionen, so ist das sicherlich nicht der Fall. Viele der beschriebenen Alltagsszenen sind nicht wirklich traurig oder zu sentimental dargestellt. Oft muss man schmunzeln, auch wenn es an manchen Stellen etwas makaber zugeht, so z.B. wenn Reinhard nur dann mit den anderen Kindern Krieg spielen darf, wenn er die Rolle eines Russen übernimmt.

Was mir, neben der schnörkellosen Sprache und dem hohen Informationsgehalt des Buches, besonders gefallen hat, ist der Verzicht auf jegliche Art des Revanchismus. Nicht selten wird das Thema Vertreibung sehr einseitig dargestellt. So kann man dem Autor nur dankbar sein, nicht in die gleiche Kerbe geschlagen zu haben.

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch, das ein eher vernachlässigtes Kapitel in einer Geschichte zusammenfasst, die ich mir auch als Drehbuch für einen wahren Antikriegsfilm vorstellen könnte.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 8. Oktober 2005
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